Ein Wärmenetz für Süderende

  shz.de von Anna Rüb erstellt am 05.Jan.2017

Die Versorgung der beiden Gemeinden durch ein eigenes Nahwärmenetz ist ein Projekt der Energiegenossenschaft Föhr, die im Mai 2014 mit dem Ziel gegründet wurde, die Zukunft der insularen Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen. Da die Bürgermeister von Süderende und Oldsum, Christian Roeloffs und Hark Riewerts, dem Aufsichtsrat der Genossenschaft angehören, ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Projekt dieser Gemeinschaft in ihren Kommunen angeschoben wurde. Es fanden eine Reihe von Informationsveranstaltungen statt und das Vorhaben fand eine positive Aufnahme. Dabei war für die Interessenten auch von Bedeutung, dass die genossenschaftliche Lösung bedeutet, dass sie selbst Einfluss auf die Entwicklung des Preises haben.

Die Nutzung der Nahwärme ist nämlich mit dem Beitritt zur Energiegenossenschaft Föhr verbunden.

Rund 120 Kunden wurden inzwischen gewonnen, und die Genossenschaft konnte einen regionalen Generalunternehmer für die Erstellung des Wärmenetzes gewinnen, für das ein Kostenvolumen von rund vier Millionen Euro veranschlagt ist. Alle Partner, die bei diesem Projekt mit im Boot sind, stammen aus der Region, ist dazu zu erfahren. Die Entstehung des Netzes ist zur Zeit in Süderende unübersehbar, und die Arbeiten sollen möglichst zügig in Oldsum weiter fortgeführt werden, wobei das Wetter die „unbekannte Größe“ darstellt.

Wie von Ulrich Jostwerner, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, zu erfahren ist, sind bei diesem Wärmenetz recht große Entfernungen zwischen den beiden Kommunen zu überwinden, wobei versucht werden muss, die Wärmeverluste zu minimieren. Die Hauptleitung hat einen Durchmesser von zwölf bis 25 Zentimetern und die Leitung, über die die einzelnen Häuser versorgt werden, haben einen Durchmesser von fünf Zentimetern.

In die Häuser gelangt das warme Wasser für die Heizung mit Hilfe einer Übergabestation, wobei eine Kernbohrung durch die Hauswand erfolgt. „Egal, wie groß der Aufwand ist, zahlen jetzt alle das gleiche“, informiert Jostwerner.

Für die Energieerzeugung werden in Oldsum eine Heizzentrale mit zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) und bei der Süderender Schule ein weiteres BHKW entstehen. Erzeugt werden dabei nicht nur Wärme, sondern auch Strom. „Wir setzen darauf, dass in Zukunft regenerative Energie eingesetzt wird“, betont das Vorstandsmitglied der Genossenschaft. „Doch zur Zeit sind die Gaspreise so günstig, dass es kaum Alternativen gibt“. Ulrich Justwerner kann auch davon berichten, dass zwei weitere Föhrer Kommunen Interesse an der Nahwärmeversorgung bekundet haben. Das findet er auch nur vernünftig: „Das Netz gehört in die Hände der Menschen, die vor Ort sind“.

shz.de von erk
erstellt am 01.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Ein 50-Tonnen-Kran war nötig, um die nächsten Bestandteile des Fernwärmenetzes der Energiegenossenschaft Föhr an Ort und Stelle zu hieven. Nun stehen Kesselcontainer, Nebenaggregate und Transformatoren auf ihren vorbereiteten Fundamenten in Oldsum und können planmäßig in das Netz eingebunden werden. Aus Schallschutzgründen muss der gasbetriebene Verbrennungsmotor allerdings in einem massiven Gebäude untergebracht werden, damit die Lärmemissionen so gering wie möglich bleiben.

In Süderende sind die Arbeiten schon so weit fortgeschritten, dass alle Süderender Mitglieder bereits in diesem Winter die Fernwärme nutzen können. Die ersten sind bereits jetzt komplett angeschlossen. Die Oldsumer müssen sich noch bis September 2018 gedulden, bis dort alle Baumaßnahmen abgeschlossen sind.

„Bis jetzt läuft alles nach Plan, von kleineren Unwägbarkeiten abgesehen“, freut sich Jan-Hauke Riewerts vom Vorstand der Energiegenossenschaft, die als Initiator und Betreiber des Fernwärmenetzes 150 Abnehmer mit umweltfreundlicher und kostengünstiger Wärme versorgen wird. Dazu wurden und werden jede Menge Rohre verlegt, über Wiesen hinweg, unter Straßen geschossen und durch Gärten hindurch, wenn es besonders eng wurde. Im Haus selbst wird dann ein Wärmetauscher installiert, der die Wärme an das vorhandene Vor- und Rücklaufsystem des Heizkreises übergibt. Die bisherige Heizungsanlage hat dann ausgedient, inklusive eines eventuell vorhandenen Öltanks. Auch der Schornstein wird dann nicht mehr genutzt, so dass der Kehrtermin des Schornsteinfegers wegfällt.

Der große Vorteil der Kraft-Wärme-Kopplung eines Blockheizkraftwerkes, das am Anfang eines modernen Fernwärmenetzes steht, ist aber der hohe Wirkungsgrad. Dieser wird dadurch erreicht, dass sowohl der Strom, den ein Verbrennungsmotor über einen Generator erzeugt, als auch die Wärme, die beim Verbrennungsprozess entsteht, genutzt werden. Dadurch wird pro nutzbarer Energieeinheit relativ wenig Kohlendioxid an die Umwelt abgegeben. Neben den „Energiegenossen“ profitiert also auch die Umwelt von dieser gekoppelten Technik.

shz.de von ib
erstellt am 10.Mai.2017 | 21:00 Uhr

 

Als erster Kunde wird die Schule in Süderende mit Wärme von der Energiegenossenschaft Föhr versorgt. Die Arbeiten in der Heizzentrale in der Schule sind weit fortgeschritten und die erste Gastherme wurde in Betrieb genommen. Bis Mitte Mai soll auch das Blockheizkraftwerk (BHKW) eingebaut sein und Wärme und Strom produzieren, sodass dann auch die ersten Privathäuser aus dem genossenschaftlichen Netz versorgt werden können.

Noch eine zweite gute Nachricht konnte die Energiegenossenschaft vermelden. Demnach ist mittlerweile die Baugenehmigung für die Heizzentrale in Oldsum eingegangen. Neben der Halle der Föhrer-Reetdachdecker soll nun ein Container mit allen technischen Einrichtungen aufgestellt werden. Das ist der Startschuss für die Bauarbeiten in Oldsum, auf den die Energiegenossenschaft und die Baufirma gewartet haben.

In den ersten fünf Monaten Bauzeit wurden etwa 2000 Meter Leitungen verlegt und 25 Hausanschlüsse fertiggestellt. Durch den milden Winter sei man von Unterbrechungen auf der Baustelle verschont geblieben, jedoch sei der sehr nasse Boden eine echte Herausforderung für die Arbeiter vor Ort gewesen, heißt es in einer Presseerklärung.

Seit Jahresbeginn habe man zehn weitere Wärmekunden dazugewinnen können, teilt das Unternehmen weiter mit. Zudem sei zu weiteren Interessenten Kontakt aufgenommen worden, sodass die Zahl der Anschlüsse noch steigen wird. Potenzielle Kunden sollten sich entscheiden, denn nur solange die Trasse noch nicht an dem jeweiligen Haus vorbeigelegt wurde, ist ein Anschluss ohne größeren Aufwand möglich.

Weitere Informationen zum Wärmenetz sind auf der Internetseite www.energiegenossenschaft-foehr.de nachzulesen.

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